A u d i o s k r i
p t
Stefan Geiger
2.
Stefan II - Gruppe 1994
Göttliche Liebe
Bad Dürkheim,
14.12.1994
aufgezeichnet von Werner Fuchs,
geschrieben von Christine Fuchs
ã Stefan Geiger,
ã Christine
Fuchs
G ö t t l i c h e
L i e b e
Nun, wir
begrüßen euch ganz herzlich zu diesem Abend, wieder über das Thema "Liebe,
Freiheit und Individualität"!
Die W e i h n a c h t s z e i t ist eine Zeit der ruhigeren Aktivität oder
der geringeren Aktivität des Menschen, verbunden mit dem niedrigen Sonnenstand,
eine Jahreszeit, in der die Aktivitäten des Jahres ausklingen, das Leben
beschaulicher, ruhiger und besinnlicher werden sollte.
Nun, wie ihr
wißt, ist das in der modernen Gesellschaft, in der ihr lebt, nicht der Fall.
Der eigentliche Aspekt des Weihnachten, des Festes der Liebe, ist verloren
gegangen zugunsten eines mehr aktiveren, konsumorientierten Treibens. Aber
nichtsdestotrotz wollen wir heute abend gemeinsam über den Aspekt der Liebe in
dem Weihnachtsfest diskutieren und darüber nachsinnen.
Die
Weihnachtszeit ist zumindest historisch der Zeitpunkt, der das Einkehren der g
ö t t l i c h e n L i e b e in die Menschheit hinein symbolisiert, d.h.
die Zeit, in der sich der Mensch in sich kehren kann, sich besinnen kann auf
das Ereignis der Geburt Jesu Christi und damit auch sich öffnen kann für das,
was man göttliche Liebe nennen könnte. Nur, was ist das? Und wie gelangt man
dahin? Wie kann man diese verstehen und wie kann man sie gar empfinden?
Göttliche
Liebe ist für manche sehr unverständlich. Gott selbst ist für viele Menschen,
die vernünftig nachdenken über diese Welt unverständlich: Wie kann es einen
Gott geben, der all dieses zuläßt, die Krankheiten, das Elend, den Krieg? Wo
ist da die göttliche Liebe? Und sie sagen: Wir können das nicht sehen.
Sie können es
in der Tat nicht sehen, nicht wahrnehmen und nicht verstehen und auch nicht
empfinden. Der V e r s t a n d an sich, den ihr alle habt, ist nicht die
Instanz, die göttliche Liebe empfinden und verstehen kann. Wenn man so will,
ist der Verstand eigentlich ein Instrument, der dem Aspekt der göttlichen Liebe
zuwider läuft. Denn Liebe, wie wir das letzte Mal sagten, ist die Energie, die
all das was ist hier auf der Welt zusammenführt, verbindet, vereinigt. Der
Verstand dagegen ist diejenige Kraft, die analysiert und trennt, die einteilt
und ganz speziell, die bewertet.
Diese Bewertungen wollen wir heute zum Thema
machen, und diese Bewertungen wollen wir dem Aspekt der göttlichen Liebe
gegenüberstellen. Wir wollen versuchen, ein Gleichgewicht zwischen diesen
beiden Aspekten herzustellen.
B e w e r t u
n g ist immer etwas, wenn man so will,
Egoistisches. Bewertung trennt die Dinge voneinander, wägt sie gegeneinander ab
und erklärt das eine für gut, das andere für weniger gut und ein drittes für
schlecht, unbrauchbar oder gar moralisch verwerflich. Es gibt, das kennt ihr
sicher, es gibt ein gesellschaftliches Wertesystem, das weithin in jedem von
euch verankert ist, da ihr es mit der Erziehung und Bildung in euch aufnehmt.
Es gibt auch kirchliche und andere Wertesysteme von verschiedenen einzelnen
Gruppen. Neben diesen übergreifenden Wertesystemen gibt es auch immer ganz
individuelle Wertesysteme, die ihr in euch tragt, die meistens Ähnlichkeit besitzen
mit allgemeinen Wertesystemen. Da, wo die allgemeinen Wertesysteme Freiräume
lassen, könnt ihr eure eigenen Werte einsetzen
und erschaffen.
Nun, Werten
und Bewerten heißt, die Dinge gegeneinander abzuwiegen, ein Ungleichgewicht
herzustellen durch die Wertung und die Liebe außen vor zu lassen. Denn im
allgemeinen wird das, was weniger wertgeschätzt wird, auch nicht geliebt, egal
ob dies Menschen oder Ideen oder Taten sind. Bewertung baut immer auf der Idee
von Gut und Böse auf und Schön oder Häßlich.
Anders ist es mit praktischen Dingen. Wir
sprechen nicht über die Bewertung von praktischen Fragen, wie z.B. brauchbar
oder unbrauchbar, sondern eher über moralische Kategorien.
Ü b u n g
Spürt nun
bitte in euch selbst hinein! Was sind da für Werte?
Was z.B.
erachtet ihr als schlecht?
Welche Taten
oder welche Menschen erachtet ihr als schlecht oder weniger gut?
Was, denkt
ihr, ist verwerflich vom moralischen oder ethischen Standpunkt her?
Denkt an die
Beziehung zwischen zwei Menschen, an die Begegnung zwischen zwei Menschen. Was
würde euch als verwerflich erscheinen? Was gibt es da, was ihr ablehnt, was ihr
gar verachtet?
Und was gibt
es, was ihr sehr hoch einschätzt, was ihr mögt oder liebt, was eurer Meinung
und euren Bewertungskriterien nach sehr wertvoll oder auch sehr sinnvoll ist?
Denkt nun an
verschiedene Menschen, die ihr kennt! Und versucht wahrzunehmen, welche
Bewertung gegenüber diesen Menschen in euch auftaucht! Seid ganz ehrlich zu
euch selbst, und fragt euch, wie würdet ihr sie bewerten, ganz allgemein
gesehen als Mensch.
Sind sie
wertvoll oder weniger wertvoll? Spürt einfach hin und versucht Unterschiede
wahrzunehmen!
Denkt nun an
Handlungen von Menschen, die euch ungut berühren, an eine Situation, in der ein
Mensch so gehandelt hat, daß ihr es ablehnt, daß in euch Widerwille, Ablehnung
auftaucht, eine Situation von der ihr sagen würdet, das war schlecht!
Denkt nun an
eine Situation, die ihr als gut, als sehr schön beurteilen würdet!
Und nun schaut
in euch selbst hinein! Wie bewertet ihr euch selbst in verschiedenen
Situationen?
Wie bewertet
ihr eure Handlungen? Geht einfach verschiedene Handlungen durch! Und nehmt
wahr, wie ihr euch bewertet, wie ihr euch einschätzt und was an euch
hinsichtlich des Wertesystems, das ihr in euch tragt, eher positiv und was eher
negativ zu bewerten ist!
Und nun ein
wichtiger Aspekt, und der betrifft ganz konkret das Gedeihen und Wachsen eurer
Individualität, das Aufblühen eurer Individualität und die Aspekte eurer
Freiheit! Wie frei könnt ihr euch fühlen?
Spürt in eine
Situation, bei der ihr das Gefühl habt, da sind Menschen um euch oder ein
Mensch euch gegenüber, der euch bewertet. Ihr seid einer allgemeinen oder
konkreten Bewertung von außen ausgesetzt! Spürt, was dies mit euch macht, wenn
da jemand oder mehrere sind, die euch bewerten!
Geht nun durch
verschiedene Etappen eures Lebens und schaut euch die Stellen, an denen ihr
nicht das getan habt, was euch entsprochen hat, bei denen ihr aufgrund eines
existierenden gesellschaftlichen Wertesystems zurückgesteckt habt, z.B. wo
jemand gesagt hat: 'Das kannst du doch nicht tun!'
Schaut euch
ganz aufmerksam und achtsam verschiedene Stationen eures Lebens an! Wo gab es
so etwas, daß ihr euch durch allgemeine Regeln und Wertesysteme,
Moralvorstellungen ganz konkret habt einschränken lassen?
Wo seid ihr
von dem abgegangen, was ihr eigentlich hättet tun wollen, habt euch überreden
lassen?
Versucht
wahrzunehmen, wie euer Leben danach verlaufen ist, was eine solche
Entscheidung, sich den allgemeinen Wertvorstellungen anzupassen, was diese
Entscheidung in euch und mit euch gemacht hat! Wo hat sie hingeführt?
Wenn ihr genau
darauf achtet, dann werdet ihr feststellen, daß immer dann, wenn ihr aus
Gründen der Moralvorstellungen, der gesellschaftlichen Wertmaßstäbe nicht eurem
eigentlichen Ziel oder eurem eigenen Impuls gefolgt seid, immer dann gab es
Konflikte in euch, immer dann irgendwann taucht Krankheit auf, und ihr schneidet euch damit von euren eigenen
Lebensenergien, von euren eigenen Impulsen ab.
Im Grunde
genommen hat jeder Mensch unendlich wilde, lebendige, freudige, sprudelnde
Energien in sich. Diese Energien sind in jedem von euch, freudig, quirlig,
sprudelnd, lebendig, nur gibt es verschiedene Entscheidungen und Muster in
euch, die ihr übernommen habt oder die ihr für euch selbst aufgestellt und
entschieden habt, die ein solches freies Sprudeln eurer Lebensenergie
verhindern.
Das bedeutet,
daß Wertungen und Bewertungen immer unsinnig sind, daß Bewertung, Wertung und
moralische Maßstäbe immer Menschen abschneiden von ihren ureigensten Energien.
Dies mag ketzerisch klingen, aber die Wertung trennt nicht nur einen Menschen
von einem anderen, macht Unterschiede zwischen den Menschen, sondern sie trennt
auch die Menschen von ihrer Lebensfreude.
Stellt euch
nun einen Menschen vor, den ihr geringer achtet, und versucht diese Wertung
aufzugeben zugunsten einer liebevollen und wohlwollenden Einstellung!
Geht in euer
Herz und sagt: Alles, was derjenige tut, ist in Ordnung! Er lebt sein Leben,
ich lebe mein Leben, und beides ist gleich gültig.
Versucht die
Haltung einzunehmen von Gelassenheit in der Weise, daß ihr mit eurem Bewußtsein
und mit euren Ideen und Maßstäben, die ihr für euch ganz persönlich habt und
auch für euch ganz persönlich haben dürft, bei euch selbst bleibt!
Und seht den
anderen Menschen als eigenständiges Individuum mit eigenen Zielen, eigenen
Vorstellungen, auch wenn diese eurer Meinung nach etwas seltsam sind, auch wenn
ihr diese nicht verstehen könnt, wenn sie euch eigenartig oder gar dumm
vorkommen.
Versucht
wahrzunehmen, daß dieser Mensch ganz eigenständig und auf seine ganz höchst
individuelle Weise sein Leben organisiert und seinen eigenen Zielen folgt und
es nicht an dir ist, daran herumzukritisieren, sondern letztendlich zu
verstehen oder dahin zu gelangen, daß, wenn du ihn lassen kannst, die
Möglichkeit besteht, ein liebevolles Verhältnis zu ihm zu bekommen, eine Liebe
zu entwickeln für diesen Menschen und für all das was ist!
Und in dieser
Liebe ist wiederum Verständnis möglich. Wenn ihr so jemand lassen könnt und ihm
gegenüber eine liebevolle, tolerante Haltung einnehmen könnt, dann werdet ihr
viel mehr von dem Wesen verstehen, was er verkörpert.
Wenn ihr dies
mit all dem was ist tun könnt, wenn es euch gelingt, all das was ist einfach zu
lassen und liebevoll anzuschauen als etwas, das andere Wesen auf höchst
individuelle Weise tun, dann wird in euch so etwas wachsen wie ein Verständnis
für diese Welt. Denn die Liebe, die in euch entsteht oder die ihr in euch entstehen
laßt, verbindet euch mit diesen Dingen, mit dem was ist. Und es ist
offfensichtlich, daß die Verhältnisse, die Beziehungen dadurch entkrampft
werden, sich dadurch entspannen.
Nun, wie ihr
sicher gemerkt habt, ist das nicht so einfach, wie wir das sagen. Man kann
nicht einfach sein Wertesystem umstellen. Das ist im Grund genommen ein Prozeß,
ein Prozeß innerer Wandlung und auch innerer Aktivität und auch innerer
Erfahrung. Denn die Liebe, von der wir sprachen, kann man zwar versuchen in
sich entstehen zu lassen, aber es gibt andere Teile innerhalb eurer Psyche, die
eher noch auf der Seite der Trennung und der Bewertung sind.
Unser
Vorschlag für die nächste Zeit und speziell auch für Weihnachten ist, euch mehr
zu besinnen auf euer Wertesystem und auf das gesellschaftliche Wertesystem,
diese einfach anzuschauen und zu versuchen, immer wieder eine liebevolle,
lassende, wohlwollende Haltung einzunehmen gegenüber anderen Menschen,
gegenüber deren Taten und gegenüber all dem, was euch umgibt.
Wir wollen dazu
nachher noch eine Übung machen, möchten aber vorher jetzt noch die Möglichkeit
zu fragen geben.
F r a g e n
Teilnehmer: Ich
habe ein Problem gehabt bei dem Satz: Er lebt sein Leben, und ich lebe mein
Leben. Und das ist ein Problem, was ich schon längere Zeit kenne, und zwar kam
mir wieder ein Beispiel aus der Kriegszeit, wo ich an jemanden dachte, der mir
sehr viel Schwierigkeiten, Schikanen gemacht hat, aber eben nicht nur mir,
sondern allen, mit denen er zu tun hatte. Und ich meine, ich verstehe ihn ganz
gut, wie das zustande kam. Ich kann mir natürlich auch sagen, nun gut, irgend
etwas habe ich damit zu tun gehabt, sonst wäre mir der Mann nicht begegnet,
aber trotzdem ist da eine Geschichte, denn es ist ja eine äußere Situation
gewesen in der Kriegssitation, wo ich nicht sagen kann: Ich lebe mein Leben,
und ich lasse ihn sein Leben leben, ich kann mich ja nicht von ihm trennen.
Kannst du da noch eine Unterstützung geben, damit ich mit solchen alten
Erfahrungen noch besser umgehen kann, auch wenn ich es heute ganz gut verstehe,
was damals gewesen ist?
Stefan II: Dies ist ein ganz typisches Beispiel,
wie sehr Verhakungen und Bewertungen in einem solchen Falle zum Tragen kommen
und wie verwickelt ein solches System ist. Ihr wißt, ihr erschafft eure eigene
Realität, d.h. es begegnen euch im Außen Menschen, Strukturen, die eurem
Inneren entsprechen. Nun könnte man sich fragen: Was waren das für Strukturen,
die du in dir getragen hast? Dies würde jedoch für heute zu weit gehen.
Du bist in
einer Zeit aufgewachsen, in der es sehr viel Haß gab, nicht wahr. Dieser Haß
saß in vielen der Menschen, und dieser Haß, woher der auch kam, hat sich
letztendlich im Krieg ausgedrückt, in einer äußerst großen gewalttätigen
Aktion, in der der Haß angestachelt wurde. Wenn man nun aber genau schaut, kann
man feststellen, daß Haß oft entsteht aus dem Gefühl des Unbefriedigtseins.
Menschen leben in einem gesellschaftlichen Rahmen, in dem sie nicht das tun
können, was sie wollen, in dem sie sich nicht frei fühlen.
In der Zeit
z.B. fanden viele Menschen keine Arbeit, hatten kein ausreichendes Einkommen.
Und verbunden, das wißt ihr, war die Situation mit extremem Werten, mit
strengen Vorstellungen davon, wie ein Mensch zu sein hat, was er zu tun hat,
wie er sich zu kleiden, wie er zu laufen hat, wie er zu sprechen hat, welche
Worte opportun sind und welche verboten. Kinder, die aufgewachsen sind, hatten
es mitunter sehr schwer mit diesen rigiden Moralvorstellungen, mit diesen
rigiden Verhaltensvorstellungen.
All diese
Werte, die damals sehr streng gehandhabt wurden, erzeugen ungute und
letztendlich auch Haßgefühle. Das Ganze kann sich soweit steigern, wie es
damals geschehen ist, daß der Haß sich ausgerichtet hat gegen einen Feind, wen
auch immer, der im Grunde genommen wahllos auserkoren wurde. Aber durch diesen
Feind gab es ein Ventil, gab es eine Richtung für den Haß. Und der Haß konnte
gelebt werden, der Haß als angestaute Energie der Nichtbefriedigung, der
Unzufriedenheit, er konnte endlich herausexplodieren in diesen häßlichen Krieg.
Man kann sich
fragen: Wo war die Liebe in dieser Zeit? Kann man sie irgendwo finden? War da
Liebe? Sicherlich sehr wenig! Sicherlich nicht genug, um ein solches
schreckliches Ereignis zu verhindern! Dies ist nur eine relativ einfache
Erklärung, die nur grobe Energiemuster mit einbezieht und nicht ins Detail
geht. Aber sie zeigt auf, wie verwickelt alles werden kann, wenn die Energien
nicht frei gelebt werden, wenn der Mensch nicht die Möglichkeit hat oder sich
nicht in der Lage fühlt, das zu tun, was ihm entspricht, das zu tun, was ihn
glücklich macht, das zu tun, was ihn befriedigt.
Das ist, da
möchten wir uns wiederholen, um dies zu verdeutlichen, eben nur möglich, wenn
diese Wertmaßstäbe, diese einengenden Maßstäbe und Bewertungen beiseite
gelassen werden und ersetzt werden durch wohlwollendes, liebevolles Lassen des
anderen, das letztendlich münden sollte oder kann in der allumfassenden Liebe.
Gibt es noch
Fragen dazu?
Teilnehmer: Ich
hab' noch eine Frage bezüglich Moral- oder Wertevorstellungen. Ich hab ganz
große Probleme z.B. bei den Tieren, die ja sehr häufig gemästet werden oder
auch in völlig artfremden Verhältnissen ihr kurzes Leben fristen, damit sie
dann geschlachtet werden. Mir ist es mit Sicherheit nicht möglich, solchen Leuten
Liebe zu schicken.
Stefan II: Was meinst du? Diese Menschen, die das
tun, meinst du, es ist ihr tiefstes innerstes Bedürfnis so etwas zu tun, Tiere
in der Art zu quälen oder zu halten? Sicherlich nicht! D.h. die Menschen tun im
Grunde genommen etwas, was ihnen nicht entspricht. Würden sie tief in sich
hineinspüren, dann würden sie wahrnehmen, wie häßlich das Tun ist.
Die Frage, die
sich stellt, ist: 'Können moralische Vorstellungen da abhelfen, moralische
Ideen, Wertmaßstäbe, die sagen, daß es nicht gut ist, so etwas zu tun?' Nun,
diese Wertmaßstäbe existieren sowieso und trotzdem tun die Menschen das. Im
Grunde genommen brauchen diese Menschen Hilfe. Sie brauchen Verständnis und sie
brauchen liebevolle Zuwendung, weil sie sich verrannt haben in Geldgier oder in
Geschäftemacherei, in Reichtum, in Besitz, in Habgier, nicht wahr. Die Frage
ist, welche Einstellung nimmt man denen gegenüber ein. Was meinst du? Welche
Einstellung könnte man ihnen gegenüber einnehmen?
Ich hab' einfach ein Problem, das zu verstehen. Ich kann das
nicht verstehen. Dann ist es schwierig für mich, eine liebevolle Einstellung zu
haben.
Nun, diese
Menschen, wenn du so willst, haben sich verirrt, haben sich verrannt. Es
ist wichtig zu versuchen, sie zu
verstehen. Und wenn es dein persönlicher Impuls ist, Tieren aus dieser
entsetzlichen Situation herauszuhelfen, dann solltest du etwas tun für diese
Tiere, dann kannst du etwas tun, indem du in Verbänden mitarbeitest, die sich
ein solches Ziel gesetzt haben oder solche Verbände unterstützt, oder
vielleicht mit Menschen darüber redest, aber unserer Meinung nach, immer nur in
liebevoller Weise.
Nicht daß man
das Tun nicht verurteilt, daß man sie nicht hinweist auf die Qualen, die Tiere
erleiden, aber trotzdem immer mit dem Verständnis im Hinterkopf, daß diese
Menschen sich verirrt haben, daß sie gefangen sind in ihrem ureigensten
Wertesystem, in dem z.B. Geschäft und Geld sehr viel bedeutet, in dem Geld,
Geschäft und Besitz zur höchsten Maxime geworden sind und in welchem diese
Menschen bereit sind, fast alles dafür zu tun.
Nur wenn du
auf liebevolle Weise hinschaust, dann kannst du wahrnehmen, daß diese Menschen
nicht glücklich sind und daß diese Menschen sich vielleicht noch mehr
verrennen, noch mehr Tiere aufziehen und schlachten, um noch mehr Geld zu
gewinnen, in der Hoffnung, daß sie dann glücklich werden. Du siehst die
Spirale, die darin liegt, die Gefahr, der sie erlegen sind, und du kannst auf
liebevolle Weise wahrnehmen, daß sie sich verrannt haben, auch wenn da ein
grausamer Aspekt dabei ist. Macht das so Sinn für dich?
Ja, ur ich weiß nicht, wie ich dafür Verständnis erreichen
kann.
Gibt es noch
eine andere Frage?
Teilnehmer: Mir
kam vorher die Frage, also für mich war es unverständlich im Zusammenhang mit
dem Mißbrauch von Kindern, und so ein bißchen hab' ich den Eindruck, ist auch
schon eine Antwort gegeben.
Stefan II: Dieser Fall liegt im Grunde genommen
ähnlich. Da sind Menschen, die sich verrannt haben, auch Menschen, die z.B. auf
Grund eines Wertesystems über Sexualität und über das Ausleben der Sexualität
sich nicht in der Lage gefühlt haben, mit Menschen, die zu ihnen passen,
Sexualität zu leben, nicht wahr, ihrem Impuls nachzugehen und sich Menschen zu
suchen, die gerne mit ihnen Sexualität leben und in dieser Verzweiflung, in
diesem inneren Umstand haben sie sich an Kindern vergriffen.
Es geht nicht
darum, um dies nochmal zu sagen, dies zu rechtfertigen und zu billigen, aber
trotzdem gegenüber diesen Menschen eine liebevolle und verständnisvolle Haltung
einzunehmen, um dann aus dem Verständnis heraus zu sehen, daß diese Menschen
Hilfe brauchen. Ähnlich wie mit Verbrechern, Gaunern, Dieben oder Bankräubern,
es ist völlig unnötig bzw. dumm, solche Menschen in Gefängnisse zu sperren,
d.h. ihnen noch mehr Freiheit zu nehmen, sie mit noch rigideren Methoden und
räumlicher Eingrenzung zu begrenzen und klein zu machen.
Im Grunde
genommen bräuchten sie liebevolles Verständnis, denn auch sie handeln aus einer
Not heraus. Sie wissen sich oft einfach nicht anders zu helfen, sie haben
keinen anderen Weg gefunden, sich im gesellschaftlichen Rahmen auszudrücken.
Teilnehmer: Ich
hab' noch eine Frage. Ihr habt vorhin
gesagt, man soll versuchen, nicht zu werten oder zu beurteilen, aber ihr redet
auch von einem grausamen Krieg und von grausamem Tun und das wäre Dummheit, das
ist ja auch gewertet oder nicht? Da ist doch auch eine Wertung drin!
Stefan II: Der Krieg ist grausam, nicht wahr! Es
geht nicht darum, das eine ist wertvoller oder weniger wertvoll, sondern es
geht um Wertmaßstäbe, die Menschen einschränken, die Menschen daran hindern,
sich selbst zu sein. Krieg ist grausam, aber wenn man von außen auf die Welt
schaut und wenn man sehen kann, daß die Welt im Grunde ein Spielplatz ist, ein
Übungsplatz für Selbstentwicklung, für Selbsterkenntnis und wenn man sieht, daß
Menschen eine solche grausame Situation auswählen, dann kann man auch das
liebevoll anschauen.
Jeder Mensch
entscheidet für sich, was er für Erfahrungen macht, auch wenn sie manchmal
eigenartig oder für andere nicht so einfach nachzuvollziehen sind, aber die
Entwicklung von euch selbst und die Entwicklung von menschlichem Bewußtsein
setzt da keine Grenzen. Es liegt an euch selbst zu entscheiden, an welchen
Aktionen, an welchen Entwicklungen ihr teilnehmen wollt.
Wenn wir sagen
'grausam', dann meint das einfach die Erlebniswelt dieser Menschen, dies ist
nicht unbedingt wertend gemeint. Es bedeutet einfach, daß es nicht angenehm ist
für Menschen, so etwas zu erleben, nicht schön ist. Und trotzdem kann man die
Haltung einnehmen, daß jeder Mensch das Recht hat, so etwas zu erleben. In der
Entwicklung des menschlichen Bewußtseins gibt es keine Grenzen.
So kann es
einfach dazu kommen, daß sich Menschen verrennen in ihr eigenes System, daß sie
sich eine Realität erschaffen, die sie als nicht schön oder auch als grausam
erleben, um dann aus dieser Erfahrung zu lernen, um zu lernen, was ihre inneren
psychischen Strukturen und Wertmaßstäbe letztendlich im Außen für eine Realität
erzeugt haben.
Das ist euer
Weg. Ihr seid dabei zu lernen, Realität zu erzeugen, Realität zu erschaffen,
eure Umgebung zu erschaffen, Ereignisse zu erschaffen. Und wie ihr vielleicht
wißt oder sehen könnt, ist die Menschheit eher noch in einer Phase, in der sie
dies unbewußt tut, in der sich die Menschen noch nicht bewußt sind, wie die
Dinge im Außen mit ihnen innen drin zu tun haben, welche Verbindungen es da
gibt.
Aber ihr seid
auch an einer Stufe, wo ihr mehr und mehr dahin kommt, dies wahrzunehmen und zu
empfinden, daß das Innen einen ganz direkten Zusammenhang hat mit dem Außen,
mit der äußeren Realität. Und um mit der äußeren Realität und auch um mit sich
selbst in Einklang zu kommen, ist die liebevolle Haltung diejenige, die am
weitesten führt, die am weitesten Verständnis für euch mit sich bringt. Und
jetzt wollen wir noch eine Übung machen mit euch.
Ü b u n g
Setzt euch
bequem oder legt euch hin!
Und hört
folgende weihnachtliche Worte! Die
Energie dieser Welt und eure höchst eigenen Energien kommen aus überschäumender
Liebe. Andere Wesen, andere Zivilisationen, die ihr nicht kennt, haben ein
Übermaß an Liebe. Wenn man so will, leben sie in unendlicher Liebe.
Aus dieser
Energie der Liebe ist euer Universum entstanden, eure Welt. Die Energie, die
ihr persönlich zur Verfügung habt, die die ganze Welt zur Verfügung hat, kommt
von dieser Liebe.
Öffnet nun
euer Herz! Spürt in euer Herz und wisset, wenn ihr da hineinschaut ganz tief in
euer Herz, wenn ihr durch den Schmerz schaut, der in eurem Herz ist, durch die
Verletzungen schaut, die in eurem Herz sind, wenn ihr durch die Schutzwälle
schaut, die ihr um euer Herz gebaut habt, wenn ihr ganz tief nach innen geht,
dann ist da unendliche Liebe! Versucht dies nun nachzuempfinden!
Stellt euch
vor, ihr wärt ein kleines Kind, das vollständig geborgen und umsorgt ist, das
nichts tun muß, das getragen und gehalten wird, und empfindet die Liebe, die
ein solches Kind bekommt!
Und laßt
einfach zu, für den jetzigen Moment, daß da Liebe ist für euch, ohne daß ihr
etwas dafür tun müßt, ohne daß ihr bewertet werdet!
Atmet tief ein
und laßt dies einfach zu! Versucht zu empfinden, da ist göttliche Liebe für
euch, und die ist immer da, egal was ihr tut, egal wie ihr seid! Sie steht euch
immer zur Verfügung, und ihr nährt euch von deren Kraft. Laßt einfach zu, daß
ihr sie fühlen könnt!
Und laßt sie
tief in euch eindringen und sich ausbreiten in eurem Körper und in eurem
Bewußtsein! Ihr seid immer angeschlossen an diese allumfassende göttliche
Liebe, und ihr müßt nichts dafür tun. Versucht sie in jeden Körperteil
hineinfließen zu lassen!
Stellt euch
nun vor, wie diese göttliche Liebesenergie sich ausbreitet in eurer Aura, in
eurem Energiefeld, wie euer Energiefeld immer weiter und weiter wird. Wenn ihr
möchtet, könnt ihr nun von dieser Energie, von dieser Liebe etwas zu anderen
Menschen senden, die ihr kennt oder zu Menschen, die ihr nicht kennt, wohin ihr
möchtet.
Damit möchten
wir diese Übung und auch diesen Abend beenden und wünschen euch allen eine
besinnliche und liebevolle Weihnachtszeit